Newsletter Oktober 2026

Liebe Freundinnen und Freunde der Buchhandlung Thaer,

nachdem uns der September einen goldenen Spätsommer beschert hat, fühlt es sich heute zum ersten Mal richtig herbstlich an, inklusive des berühmten Berliner Schmuddelwetters. 

Hier in der Buchhandlung schauen wir dieser Tage nach Frankfurt, wo gerade die Buchmesse stattfindet und der Buchpreis verliehen wurde. Sehr herzlich gratulieren wir Shida Bazyar zur Auszeichnung ihres Buchs „Die Lücken“ – in der es um den fiktiven Ort 

Heimesbach im Hunsrück geht, in dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre Vergangenheit aktiv verschweigt und zugleich zum Zufluchtsort für diejenigen wird, die hier Geborgenheit suchen. Der Roman führt uns durch die Jahre und die Köpfe derer, die das Dorf prägten: von jüdischen Familien, die alles verloren, über NS-Profiteure, die sich als unschuldige Mitläufer neu erfanden, bis hin zu den Familien Sharifi und Karimpour, die Jahrzehnte später aus dem Iran flüchten. So entsteht ein Mosaik rund um den Begriff der Heimat und der Vorstellungen, auf denen dieser beruht. 

Außerdem gratulieren wir der kanadischen Lyrikerin und Essayistin Anne Carson zum heute verliehenen Literaturnobelpreis. Wir haben Ihre Bücher und Sammlungen bestellt, hoffen auf eine baldige Lieferung und freuen uns darauf, uns mit Ihnen über ihr Werk auszutauschen. 

Wie bereits letzte Woche per Einladung angekündigt, kommt am 22. Oktober Elisabeth Schneider zu uns, um aus ihrem Buch „Langergang 36“ zu lesen. Moderiert wird die Veranstaltung von Elvira Hanemann. Weitere Informationen zur Lesung finden Sie hier. 

Desweiteren möchten wir schon einen kleinen Einblick in den November geben: Am 17. November kommt der Übersetzer Frank Heibert zu uns, um über den jüngst von ihm übersetzten Roman „Amazonen“ von Don DeLillo zu sprechen – ein Buch mit dem vielversprechenden Untertitel „Die intimsten Memoiren der allerersten Frau in der National Hockey League“. Frank Heibert stellt uns Don DeLillo in seiner Übersetzung vor: die Wiederentdeckung eines unter dem Pseudonym Cleo Birdwell 1980 veröffentlichten, stets ‚verheimlichten‘ frühen Romans des großen Autors. Satirisch, feministisch, prophetisch? Finden Sie es heraus und lauschen Sie Frank Heibert, der uns von DeLillo sowie von der Kunst und den Kniffen des Übersetzens erzählen wird. 

Wir beginnen um 19.30h, der Eintritt kostet 8 Euro und um eine vorherige Anmeldung wird gebeten. 

Zuletzt folgen unsere Leseempfehlungen des Monats. Alles Gute und bis bald in der Buchhandlung Thaer,


Mieke Woelky und Krystyna Swiatek 

Mieke Woelky empfiehlt „Anton und Alma“ von Dana Vowinckel: Nach ihrem hoch gelobten Debüt „Gewässer im Ziplock“ hat Dana Vowinckel mit ihrem zweiten, für den Buchpreis nominierten Roman „Anton und Alma“ noch größere Wellen geschlagen. In diesem

 steigen wir ein in die Gefühls- und Lebenswelt von zwei jungen Menschen in Berlin: Anton kommt aus einer jüdischen Akademikerfamilie, Alma ist in Biesdorf aufgewachsen und die erste in ihrer Familie, die studiert. Beide ringen mit ihrer Herkunft, bewegen sich zwischen Zugehörigkeit und Auflehnung, zwischen Liebe und Verlust. Gleichzeitig bewegen sie sich aufeinander zu, lassen sich aufeinander ein und bauen sich – vielen inneren und äußeren Widerständen zum Trotz – ein gemeinsames Leben auf. Dana Vonwinckel erzählt uns eine schöne, aber auch schwierige Liebesgeschichte, in die immer wieder die Welt einfällt: eine zunehmend polarisierte Welt, in der politische Meinungsverschiedenheit zu Minenfeldern und Freundschaften auf die Probe gestellt werden.Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen. Und es hat mir darüber hinaus wertvolle Einblicke in die Welt von zwei klugen, komplexen Figuren gewährt, die in der gleichen Stadt wie ich leben und dennoch einen anderen Kosmos bewohnen. 

Dana Vowinckel: Anton und Alma“, Suhrkamp 2026, 26 Euro. 

Krystyna Swiatek empfiehlt „Orca“ von Franziska Gänsler: 

Die Ich-Erzählerin Cora arbeitet an der Fleischtheke, als sie in den Nachrichten sieht, dass ihre alte Freundin Olympia verhaftet und des Mordes angeklagt worden ist. Was verbindet Cora aus dem Supermarkt mit Olympia, der bekannten Terroristin? In Rückblenden entfaltet Franziska Gänsler Stück für Stück vorsichtig und spannungsreich Coras Geheimnis und die gemeinsame Geschichte zweier sehr verschiedener junger Frauen.

Cora war ein ehrgeizige Schülerin, die mit einem Stipendium eine renommierte Privatschule besucht hat. Sie fühlt sich fremd inmitten ihrer reichen Mitschülerinnen und ist erleichtert, zufällig ihre alte Freundin Olympia wiederzutreffen. Olympia hat die Schule abgebrochen und hangelt sich von Job zu Job. Schnell entfacht sich eine innige Freundschaft. Durch einen Zufall geraten sie in eine Gruppe von Klima-Aktivist*innen und beginnen, sich zu radikalisieren. Bei beiden hat es nur bedingt mit klimapolitischen Überzeugungen zu tun. Olympias Motor ist eine nicht klar definierte Wut. Bei Cora ist es der Drang nach Anerkennung, für die sie fast alles tun würde. 

In diesem Buch geht es um so Vieles! Es thematisiert Freundschaft, den Drang nach Zugehörigkeit,  Klima- und Chancengerechtigkeit, Gewalt und Radikalisierung, Identitätssuche und Authentizität. All das verbindet Franziska Gänsler gekonnt, mit feiner Beobachtungsgabe und Freude am Detail. 

Franziska Gänsler: „Orca“, Kein und Aber 2026, 25 Euro.

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Buchhandlung Thaer 

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Telefon: (030) 8527908

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